Der Mythos der schwarzen Seele

Mit den geschwungenen, schwarzen Lettern auf roten Etikett ist der AN/2 der zweifelsohne bekannteste und erfolgreichste Weinexport Mallorcas. Denn nicht nur auf der Balearen Insel, sondern in mittlerweile mehr als 45 Exportmärkten gilt der Name Anima Negra als Gesetz für Qualität mit starkem und durchdringendem Callet-Charakter. Ob Mallorquiner, Resident oder Urlauber, jeder scheint die Bodega Anima Negra zu kennen und man hat das Gefühl als gehöre ÁN ebenso zur Insel, wie die Kathedrale zu Palma und der Hafen zu Andratx. Zwar ist der Begriff der schwarzen Seele in Jedermanns Kopf, dennoch scheint es, als sei die Herkunft und Geburtsstätte der weltweit für Furore sorgenden Weine „noch“ unbekannt.

Mallorquiner mit französischer Note - Jaime Llaberes vereint das Beste aus zwei Wein-Welten

"Meine Bodega verlässt nur der Wein, den ich auch selbst gerne trinken würde". Selbstsicher postuliert Jaime Llaberes, verantwortlich für das Weingut Son Prim, den wohl wichtigsten Eckpfeiler der Unternehmensphilosophie. Das klingt erst einmal vollmundig. Was aber steckt dahinter? Gibt es tatsächlich greifbare Unterschiede zu den Produkten anderer Winzer Mallorcas? Jaime meint, gute Gründe für die Qualität und die Individualität seiner Weine anführen zu können!

Entgegen der breiten Mehrheit seiner Mitbewerber setzt der Mann mit dem Jahrhunderte alten Winzerstammbaum ausschließlich auf ursprünglich nicht auf Mallorca heimische Reben. Tatsächlich stammen seine knapp 15-jährigen Stöcke ausschließlich vom nördlich liegenden Festland. Sowohl bei Merlot als auch Cabernet Sauvignon und Syrah handelt es sich um waschechte Franzosen. Mit allen dazugehörigen Vor- und Nachteilen, sprich: geringere Anpassung an das Insel-Klima und die Bodenbeschaffenheit. Auch genießen die ”extrangers“, die pflanzlichen Ausländer, weniger Akzeptanz unter Mallorca-Weingenießern als ihre autochthonen Kollegen. Dem stehen ein leichterer geschmacklicher Zugang und die bessere Lagerfähigkeit des Endprodukts gegenüber.